Historischer Jahrmarkt am Kiekeberg: Eine Reise in die Welt der Volksfeste von früher
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Claudia -
4. Oktober 2026 um 15:46 -
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Vom 2. bis 4. Oktober 2026 fand dort wieder der Historische Jahrmarkt statt – eine Veranstaltung, die längst zu den besonderen Terminen im norddeutschen Veranstaltungskalender gehört.
Bereits zum 31. Mal widmete sich das Museum in Rosengarten-Ehestorf der Geschichte des Volksvergnügens. Anders als bei einem modernen Volksfest geht es dabei nicht darum, immer höher, schneller oder spektakulärer zu werden. Stattdessen führt der Historische Jahrmarkt zurück in eine Epoche, in der Karussells, Schaubuden und Schausteller für viele Menschen eine Attraktion waren, die man nicht jeden Tag zu Gesicht bekam.
Jahrmarkt wie zwischen 1900 und 1960
Der Historische Jahrmarkt orientiert sich an der Zeit zwischen 1900 und 1960. Historische Fahrgeschäfte bilden dabei einen wichtigen Teil der Veranstaltung. In diesem Jahr konnten Besucher unter anderem mit einer Berg- und Talbahn, einem Kinderkarussell und einer Schiffschaukel fahren. Auch der museumseigene historische Kettenflieger war wieder in Betrieb.
Darüber hinaus gehörten weitere klassische Jahrmarktelemente wie Riesenrad und Hängekarussell zum bunten Bild auf dem Museumsgelände.
Doch gerade die Mischung macht den besonderen Charakter der Veranstaltung aus. Zwischen den Fahrgeschäften warten keine modernen Automaten oder LED-Fassaden, sondern Spiele und Vergnügungen, wie sie schon frühere Generationen kannten. Entenangeln, Dosenwerfen, Kraftmesser und weitere Geschicklichkeitsspiele gehören ebenso dazu.
Darsteller der „Gelebten Geschichte“ zeigten zudem, wie Schausteller auf einem Jahrmarkt der 1920er-Jahre lebten und arbeiteten.
Flohzirkus, Kraftmensch und Laterna Magica
Dass ein Jahrmarkt früher weit mehr als eine Ansammlung von Fahrgeschäften war, zeigte auch das umfangreiche Unterhaltungsprogramm.
Mit dem „Eisen-Hans“ war beispielsweise ein klassischer Kraftkünstler zu erleben. „Flohzirkus Freddy“ erinnerte an eine Form der Jahrmarktsunterhaltung, die heute fast vollständig aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist. Das Dortmunder Puppentheater gehörte ebenso zum Programm wie Zauberei und die „Laterna Magica“, bei der Geschichten mit historischen Bildprojektionen erzählt wurden.
Erstmals war in diesem Jahr außerdem „Herr Konrad“ mit seiner Jonglage-Show am Kiekeberg zu Gast. Ein historischer Wanderfotograf und Drehorgelmusik vervollständigten die Reise in eine Zeit, in der Schausteller, Artisten und reisende Künstler einen wesentlichen Teil des Jahrmarkts ausmachten.
Vom Handelsplatz zum Vergnügungsmarkt
Damit erzählt die Veranstaltung gleichzeitig ein wichtiges Kapitel der Geschichte heutiger Volksfeste.
Jahrmärkte waren ursprünglich vor allem Handelsplätze. Menschen kamen zusammen, um Waren zu kaufen und zu verkaufen. Gleichzeitig boten reisende Künstler, Akrobaten und Schausteller Unterhaltung.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Bild zunehmend. Karussells, Schaukeln, Wurf- und Schaubuden sowie immer neue technische Attraktionen hielten Einzug. Aus dem Markt wurde nach und nach auch ein Ort des Vergnügens – und damit ein Vorläufer der Volksfeste und Kirmesplätze, wie wir sie heute kennen.
Genau diese Entwicklung lässt sich am Kiekeberg nicht nur betrachten. Man kann sie erleben.
Ein Stück lebendige Schaustellergeschichte
Das macht den Historischen Jahrmarkt auch für Menschen interessant, die sich für die Geschichte der Kirmes und der Schaustellerei begeistern. Historische Fahrgeschäfte werden hier nicht ausschließlich als Museumsstücke präsentiert. Sie bewegen sich, machen Geräusche und werden von Menschen genutzt.
Hinzu kommen Gerüche, Musik, Schaustellungen und die Atmosphäre zwischen den historischen Gebäuden des Freilichtmuseums. Geschichte wird dadurch plötzlich erstaunlich greifbar.
Dass dieses Konzept beim Publikum ankommt, zeigte sich bereits in den vergangenen Jahren. 2024 besuchten rund 20.000 Menschen den damals viertägigen Historischen Jahrmarkt am Kiekeberg.
Auch 2026 zog die Veranstaltung vom 2. bis 4. Oktober wieder zahlreiche Besucher auf das Museumsgelände vor den Toren Hamburgs.
Schmalzkuchen und Zuckerwatte dürfen nicht fehlen
Natürlich gehört zu einem Jahrmarkt auch das passende Essen. Neben Brot und Gebäck aus dem Holzbackofen der Museumsbäckerei gab es unter anderem Schmalzkuchen, gebrannte Mandeln, Crêpes, Zuckerwatte, Eis, Rahmbrot und Bratwurst.
So entsteht für drei Tage im Jahr ein ungewöhnlicher Kontrast: Nur wenige Kilometer von Hamburg entfernt kann man erleben, wie sich ein Besuch auf einem Jahrmarkt vor vielen Jahrzehnten angefühlt haben könnte.
Der Historische Jahrmarkt am Kiekeberg ist damit weit mehr als eine nostalgische Veranstaltung. Er bewahrt ein Stück Kulturgeschichte, das eng mit der Entwicklung unserer heutigen Volksfeste verbunden ist – und zeigt zugleich, dass es nicht immer die neueste Großachterbahn oder das spektakulärste Fahrgeschäft braucht, um Menschen für einen Jahrmarkt zu begeistern.
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