Am 22. Mai ist Internationaler Tag der biologischen Vielfalt


Mit über 4.000 Vögeln aus 650 Arten und von allen Kontinenten ist der Weltvogelpark Walsrode nicht nur der größte Vogelpark der Welt, sondern eine renommierte Institution für die Nach- und Aufzucht von bedrohten Vogelarten. Gleichzeitig werden große und kleine Besucher:innen für die wachsende Bedrohung der Vogelwelt und die Wichtigkeit von Vögeln in der Natur sensibilisiert.

Ein Blick in die Weltvogelpark-Chronik zeigt, wie wichtig das Thema Artenschutz bereits in der Frühzeit des Parks war. Bereits kurze Zeit nach der Gründung gelang im Jahr 1967 die Welt-Erstzucht eines Bunttukans. Eine echte Sensation. Seitdem arbeitet der Weltvogelpark eng mit anderen Zoologischen Gärten und Naturschutzorganisationen im In- und Ausland zusammen und konnte viele Zuchterfolge feiern. Das Ziel dieser Arbeit ist es, durch Nachzucht von bedrohten und seltenen Arten eine gesunde Population in menschlicher Obhut zu erhalten und damit die biologische Vielfalt zu bewahren.

Internationale Zusammenarbeit

Zur Erhaltung bedrohter Arten sind Zoos unersetzliche Institutionen. Durch ihren Zusammenschluss können sie mit vereinten Kräften zooübergreifend viele bedrohte Arten erhalten. Auch der Weltvogelpark ist Mitglied in gleich mehreren Verbänden, wie dem europäischen Verband der Zoos und Aquarien (EAZA), dem Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) und dem Verband der Zoologischen Gärten (VdZ).


Auf europäischer Ebene werden mehrere Hundert Erhaltungszuchtprogramme (EEPs) von der EAZA koordiniert. „Der Weltvogelpark ist mit 55 Vogelarten erfolgreich an Erhaltungszuchtprogrammen beteiligt. Zudem sind wir der Zuchtbuchführer des vom Aussterben bedrohten Schneekranichs und koordinieren zooübergreifend den Erhalt der Population. Zu den Aufgaben des Weltvogelpark zählt etwa die Entscheidung darüber, welcher Kranich wann in welcher Einrichtung lebt und mit wem er sich paaren darf. Durch diese Arbeit soll ein vielfältiger Genpool gewährleistet und Inzucht vermieden werden. Aktuell wird der Bestand der Schneekraniche auf ca. 4.000 Tiere geschätzt. 1991 gelang uns in Walsrode die deutsche Erstzucht, seitdem feiern wir regelmäßige Zuchterfolge. Dieses Jahr schlüpften Anfang Mai zwei junge Schneekraniche. Bei unserer Arbeit werden wir zusätzlich von einem Expert:innenteam aus Biolog*innen, Tierpfleger*innen und Tierärzt*innen anderer Zoos unterstützt. Das langfristige Ziel der EAZA ist der Schutz der Art in ihrem natürlichen Lebensraum und möglicherweise die dortige Wiederansiedlung“, erklärt Anne Densow, Biologin im Weltvogelpark.


Was die internationale Zusammenarbeit von Zoos und anderen wissenschaftlichen Instituten bewirken kann, zeigt sich am Beispiel der Socorro-Taube. Diese Art war auf der kleinen Insel Socorro im Ostpazifik beheimatet. Seit den 1970er-Jahren ist sie durch die Jagd des Menschen und eingeschleppte Katzen in freier Wildbahn ausgestorben. Dank der Bemühungen europäischer Zoos konnte wieder eine kleine Population mit 170 Tieren in menschlicher Obhut aufgebaut werden. Im Weltvogelpark wird diese Art im Pukara gehalten und sich um eine Nachzucht bemüht. In Kooperation mit der mexikanischen Regierung und verschiedenen Universitäten bemüht sich die EAZA um eine Wiederansiedlung auf der Insel Socorro.

Artenrettung in der Lüneburger Heide

In diesem Jahr konnte der Weltvogelpark viele weitere Erfolge im Bereich der Nachzucht feiern. Die Rotschnabelhokkos bebrüten bereits mehrere Eier, schlüpfen werden die Küken in ca. vier Wochen. 2011 gelang in Walsrode die deutsche Erstzucht eines Rotschnabelhokkos. In freier Wildbahn leben weniger als 250 Exemplare. Die Tiere sind verteilt auf kleine Naturschutzreservate im hochgradig bedrohten Küstenregenwald Brasiliens. Seit dem ersten Zuchterfolg wird die Art regelmäßig erfolgreich nachgezogen und eine stabile Population aufgebaut.

Ebenfalls stolz dürfen die Riesenseeadler sein. Anfang April schlüpften bereits zwei Küken, vor wenigen Tagen folgte ein drittes. Durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums und versiegende Nahrungsquellen ist auch diese Art gefährdet. Dem Weltvogelpark gelingt die Nachzucht jährlich – und er trägt so einen großen Teil zur Arterhaltung bei.


Auch in der Vergangenheit gab es besondere Zuchterfolge. Durch die Zusammenarbeit mit dem Zoo Tsimbazaza aus Madagaskar gelang den Biolog*innen im Weltvogelpark zwischen 2000 und 2007 bei mehreren ursprünglich in Madagaskar beheimateten Arten die erfolgreiche Welt-Erstzucht. Der Sichelvanga, der Blauaugenibis und drei Arten der Seidenkuckucke konnten so erstmalig in einem Zoo in Europa gezeigt werden. Die Arten sind Botschafter für die fortschreitende Zerstörung von Lebensraum auf Madagaskar. Bei den Blauaugenibissen und Seidenkuckucken gelingt seitdem regelmäßig die Nachzucht.

Ein häufiger Grund für die Bedrohung vieler Vogelarten ist die inzwischen illegale Jagd durch Menschen. Das gilt vor allen Dingen für die verschiedenen Arten der Paradiesvögel. Die Männchen tragen prächtige Federkleider und wurden aus diesem Grund seit Beginn des 19. Jahrhunderts kommerziell verfolgt. 2004 gelang die europäische Erstzucht des Königsparadiesvogels. Regelmäßig gelingt im Weltvogelpark die Zucht verschiedener Paradiesvogelarten.


„Die Besucher*innen auf die vielfältige Bedrohung von heimischen und exotischen Vögeln aufmerksam zu machen ist uns ein wichtiges Anliegen. Dieser Bildungsauftrag wird immer wichtiger, und wir sind stolz, durch die internationale Zusammenarbeit einen großen Teil dazu beizutragen“, so Densow abschließend.